Kuren - wozu?

blumen023Kuren sollen zum einen Krankheiten verhindern, also vorbeugend wirken,

zum anderen die Wiedereingliederung nach einer Krankheit oder einem Unfall ermöglichen, also der Rehabilitation dienen. Der Begriff „Kur" wird heute offiziell gar nicht mehr verwendet; stattdessen sprechen die Krankenkassen von Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahmen.

Bei der Rehabilitation geht es darum, die Folgeschäden von Krankheiten oder Verletzungen möglichst gering zu halten.

Die Krankenkassen bieten ein breites Spektrum von Maßnahmen an:

Mutter-Kind-Kuren: Jeder, der ein Kind erzieht oder erzogen hat, hat einen gesetzlichen Anspruchauf eine Mutter-Kind-Kur, alleine oder mit dem Kind, wenn der Arzt die Notwendigkeit einer Kur attestiert. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse, allerdings ist für Erwachsene eine Zuzahlung von 10 Euro pro Tag erforderlich. Fast die Hälfte der zunächst abgelehnten Mutter-Kind-Kuranträge wird in einem zweiten Anlauf genehmigt. Zu bedenken ist dabei, dass Kuren mit kleinen Kindern nicht immer erholsam sind; denn oft fehlt eine Fremdbetreuung der Kinder, und die in den Kindergruppen schnell ausgetauschten Infekte sind nicht kurfördernd. Eine Mutter-Kind-Kur kann sowohl wegen der medizinischen Bedürfnisse des Kindes (Kinderkur) beantragt werden als auch wegen der medizinischen Bedürfnisse eines Elternteils; im letzteren Fall fährt Mutter oder Vater alleine in die Kur oder sie nehmen das Kind als Begleitperson mit.
Ambulante Vorsorgemaßnahmen: Diese Kuren dürfen nur in anerkannten Kurorten oder Heilbädern durchgeführt werden (daher heißen sie auch Badekuren). Ambulante Vorsorgemaßnahmen müssen teilweise selbst bezahlt werden (z.B. Übernachtungen); die Krankenkasse kann jedoch einen Zuschuss von bis zu 13 Euro täglich zu diesen Kosten gewähren. Eine besondere Form der ambulanten Vorsorge ist die Kompaktkur. Sie bietet einen intensivierten Behandlungsablauf, wird allerdings nur bei bestimmten Krankheitsbildern und nicht überall angeboten.

Ambulante Rehabilitationsmaßnahmen: Hier wohnt der Patient zuhause und wird in Wohnortnähe behandelt.

Stationäre Vorsorgekur
: Ganztägige Vorsorgemaßnahmen in einer Kurklinik.

Stationäre Rehabilitation
: Klassische Form der Kur mit ganztägiger Behandlung in einer Kurklinik.


Anschlussheilbehandlung (AHB)
: Kur zur Rehabilitation direkt im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt, z.B. nach Schlaganfall, Herzinfarkt oder Krebsoperation.

Was Kuren bringen

Tatsächlich ist bis heute unklar, welchen medizinischen Wert das Kurwesen im modernen Gesundheitssystem hat. Oft geben Kritiker zu bedenken, dass die Kosten für Kuren durch Hilfsangebote vor Ort weitaus besser eingesetzt werden könnten. Während die Kur über eine Herausnahme aus dem häuslichen Umfeld zusammen mit den Kuranwendungen und der klimatischen Veränderung wirken soll ist oft wohl eher nachhaltige Gesundheitsförderung durch Lösung von Konflikten innerhalb des Beziehungssystems und des Arbeitsumfeldes sowie durch Verhaltensänderung vor Ort mit Integration in den Alltag zu erreichen. Außerdem stünden für viele der ehemals in Kuren behandelten Erkrankungen wie z.B. Asthma oder Neurodermitis heute wirkungsvolle Medikamente und vor Ort durchzuführende Therapiekonzepte zur Verfügung.
Bei ausgewählten Erkrankungen lassen sich durch die Kur gerade auch klimatische Einflüsse nutzen. So bessern sich Lungenkrankheiten und chronische Hauterkrankungen, wie z. B. Neurodermitis bei Kindern, manchmal deutlich bei einer Klimatherapie an der Küste.
[DIG 0609]

In der Tat greifen Kuren noch heute sehr stark auf physikalische Anwendungen zurück (z.B. Bäder- und Massagetherapie) und damit auf passive Therapieformen, für die ein wissenschaftlicher Wirknachweis nicht immer gegeben ist. Andererseits können gut geplante Kuren gerade in der Rehabilitation Konzepte und Lösungswege vermitteln, ohne die so mancher Knoten im Alltag gar nicht zu lösen wäre.


Zu erwarten ist, dass die Kur gerade aus Kostengründen in Zukunft stärker eingeschränkt wird. Mutter-Kind-Kuren werden dagegen seit der Gesundheitsreform 2007 verstärkt gefördert.

Der Kurantrag und die Kostenübernahme
Einen Kurantrag kann jeder stellen, der körperlich oder psychisch erkrankt ist, er braucht dazu allerdings ein Attest seines Arztes (Haus- oder Facharzt). Die Krankenkassen oder die Deutsche Rentenversicherung (ehemals BfA/LVA) schicken auf Anfrage entsprechende Formulare und Verzeichnisse von Kurhäusern zu. Bei der Antragstellung helfen der Arzt oder auch Wohlfahrtsverbände wie der VdK oder das Müttergenesungswerk. Der Antrag wird dann beim Kostenträger (Krankenkasse, bei Arbeitnehmern auch die Rentenversicherung) eingereicht. Die Kassen schalten zur Prüfung des Anspruchs oft ihren eigenen medizinischen Dienst ein. Bis die Kur beginnt, vergehen meist mindestens 3 Monate – die Frist kann kürzer sein, wenn der Arzt „dringend" im Attest vermerkt. Ein Kuraufenthalt dauert in der Regel 3 Wochen, ein Arzt in der Kureinrichtung kann aber einen Verlängerungsantrag stellen. Nach einer Kur müssen vor einem neuen Antrag in der Regel 4 Jahre verstreichen. Wird ein Antrag von der Krankenkasse abgelehnt, ist es möglich, innerhalb von 4 Wochen schriftlich Widerspruch einzulegen. Bleibt auch der zweite Widerspruch erfolglos, so kann Klage vor dem Sozialgericht erhoben werden. Das Verfahren ist zwar kostenlos, kann sich aber über 1 Jahr hinziehen. Wird einem Kurantrag stattgegeben, werden die Kosten zumindest teilweise vom Träger übernommen. Meist muss aber ein Eigenanteil bezahlt werden; wie hoch der ist, hängt auch von der Kurart ab. Bei stationären Kuren, Anschlussbehandlungen oder ambulanter Rehabilitation müssen derzeit 9 EUR pro Tag zugezahlt werden (dies gilt nicht für Kurmaßnahmen der Berufsgenossenschaften). Bei der ambulanten Vorsorge und der Kompaktkur werden nur die Arztkosten übernommen, alle anderen Leistungen tragen Sie selbst.
Bei den privaten Krankenkassen hängen die Zuzahlungen vom Vertrag ab.

Orte mit Anerkennung als Kurbäder finden sie unter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kurorte_in_Deutschland
http://www.wohlfuehlportal.de
http://www.deutscher-heilbaederverband.de/cms/