Verhütung ohne Hormone

Verhütung ohne Pille ist meist auch Verhütung ohne Hormone

Im Folgenden erhalten Sie Informationen zur Sicherheit (Pearl-Index) und Anwendung der verschiedenen Alternativ-Methoden zur "Pille". Der Pearl-Index (jeweils in Klammern neben der Überschrift) stellt die durchschnittliche Anzahl der Schwangerschaften in 1200 Anwendungsmonaten dar.

Der Koitus interruptus (10-40)
Der Koitus interruptus ist eine immer noch weit verbreitete Verhütungsmethode, bei der die Ejakulation in der Scheide vermieden wird. Da es oft schon vor der eigenglichen Ejakulation zum Aussondern von Samenfäden kommen kann, ist diese Methode die unzuverlässigste Verhütungsmethode. Vorteil: keine Hormonanwendung. Nachteil: oft kommt es bei längerer Anwendung zu Störungen der Sexualität, kein Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten.

Das Kondom (5-20)
Das Kondom ist heute, nach der Pille, das am zweithäufigsten verwendete Verhütungsmittel - vergleichsweise preiswert und überall verfügbar. Leider kommt es durch falsche Anwendung und Materialfehler immer wieder zu Schwangerschaften. Die Methode ist in der Sicherheit nur gut bei zuverlässiger Anwendung, und die will geübt sein. Frauen und Männer sollten sich unbedingt mit der richtigen Handhabung des Kondoms vertraut machen. Als mögliche Nebenwirkung sind allergische Reaktionen gegen das Material (in der Regel Latex) oder die Beschichtung des Kondoms bekannt. Viele Paare benutzen zusätzlich zum Kondom chemische Verhütungsmittel wie zum Beispiel Scheidenzäpfchen oder -gels. Einige dieser Präparate enthalten jedoch Substanzen, die das Material des Kondoms angreifen können. Hier kann man sich gut beraten lassen. Das Kondom ist der einzig gute Schutz von sexuell übertragbaren Krankheiten wie z.B. Syphilis, Gonorrhoe und AIDS und in dieser Rolle von keinem anderen Verhütungsmittel erreichbar. Gerade bei neuen Sexualkontakten ist das Kondom der einzig sichere Weg. 

Verhütungscomputer (5-10)
Was hat Liebe mit Mathematik zu tun? Zumindest in den Chips der kleinen Computer für Familienplanung wird gerechnet. Die Computer gibts in fast jeder Apotheke zu kaufen. Zwar sind sie alle nicht billig. Aber sie haben andere Vorteile: vor allem verhüten sie ohne Hormonanwendung und sind somit garantiert nebenwirkungsfrei. Neben der Körpertemperatur wird ein Hormon im Urin bestimmt, wodurch der Zeitpunkt des Eisprungs sicher bestimmbar ist. Die Anwendung erfordert viel Aufmerksamkeit. Die Sicherheit der Methode hängt wie bei vielen Verhütungsmethoden von der Genauigkeit der Benutzung ab. Pille, Scheidenring und Spirale sind eindeutig sicherer.

Zur Benutzung des Computers
Der Computer ist klein und handlich. Frauen können damit ihre fruchtbaren Tage feststellen, wenn sie verhüten oder - im Gegenteil -schwanger werden wollen. "Persona" heißt einer der neue Baby-Computer. Im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Geräten, die sich überwiegend auf Temperaturwerte stützen, arbeitet er nach einem ganz neuen Prinzip: Datum des ersten Zyklus-Tages eingeben, dann weiss das Computer-Programm, ab wann rein rechnerisch die fruchtbare Phase beginnt. An diesen Tagen zeigt das Gerät ein Symbol. Es sagt: Heute bitte einen Urintest machen. Der Urin-Schnelltest bestimmt die Werte von zwei Hormonen, die bei intaktem Zyklus kurz vor dem Eisprung in besonders hohen Konzentrationen ausgeschieden werden. Kosten: ca. 100 € plus 15 € monatlich für die Teststreifen. Andere Verhütungscomputer sind z.B. Ladykomp, Cyclotest etc. Gemeinsam ist allen Geräten, dass sich mit ihnen der Zeitpunkt des Eisprunges relativ genau bestimmen lässt, sodass sie sich auch zur Kinderplanung gut einsetzen lassen. 

Diaphragma, Portiokappe und Lea (3-10)
Das Diaphragma bildet in der Scheide eine Art künstliche Wand, die Portiokappe wird als "Verschluß" auf den Muttermund gestülpt. Beide Verhütungsmittel müssen individuell angepasst werden. Sie gelten als sehr sicher - das allerdings nur, wenn zusätzlich eine Verhütungscreme benutzt wird. Manche Frauen empfinden die Beschäftigung mit dem Verhütungsmittel in Anwesenheit des Partners als störend, andere erleben gerade dadurch ihre Sexualität bewusster. Mögliche Nebenwirkungen sind bei beiden Verhütungsmitteln allergische Reaktionen auf das Material (Latex) und Reizungen der Schleimhäute. Das "Lea" ist ein neuartiges, leichter anwendbares Diaphragma. Weitere Informationen finden Sie in den untenstehenden Links.


Die „natürliche“ Familienplanung oder symptothermale Methode (3-10)
Diese Art der Verhütung ist konkurrenzlos billig: Sie brauchen dafür nur ein Fieberthermometer, Vordrucke für Temperaturkurven (gibt es in Frauenarztpraxen und Apotheken sowie bei Familienplanungszentren und bei der Pro Familia) - und die Bereitschaft, den eigenen Körper zu beobachten. Neben der morgens gemessenen Temperatur können Sie zusätzlich das Aussehen und die Struktur des Gebärmutterschleims beobachten ("sympto-thermale Methode"). Einweisung in die natürliche Familienplanung geben zum Beispiel Familienplanungszentren und die Beratungsstellen der Pro Familia. In der Regel dauert es etwa drei Monate, bis die Frau mit der Methode vertraut ist - so lange sollte das Paar zusätzlich andere Verhütungsmittel anwenden. Für die natürliche Familienplanung gilt aber wie für alle "sanften" Methoden: Voraussetzung ist, dass beide Partner sich darauf einstellen und auch konsequent an den fruchtbaren Tagen zusätzlich verhüten oder auf ungeschützten Sex verzichten. Ein gutes Buch dazu: "Natürlich und Sicher" Trias Verlag (ISBN 978-8304-3241-8)

Scheidenzäpfchen (3-10)
Es gibt eine Menge verschiedener Scheidenzäpfchen, Gels, Schäume und Schwämmchen. Diese Verhütungsmittel kommen für Frauen in Frage, die nur gelegentlich Schutz brauchen. Die Chemikalien in den Präparaten wirken auf unterschiedliche Art: Sie können Spermien abtöten oder bewegungsunfähig machen und zusätzlich eine Barriere gegen die Spermien bilden. Die Mittel gelten, wenn sie allein angewendet werden, als wenig sicher, deshalb werden sie meistens in Verbindung mit Kondomen benutzt.


Spirale mit Kupferanteil und Kupferkettchen (2-5)
Es gibt verschiedene Typen auf dem Markt, die meisten enthalten einen Kupferanteil. Das Kupfer wird nach und nach in winzigen Konzentrationen abgegeben. Es gibt aber auch Spiralen, die geringe Mengen Gold abgeben. Die Spirale verändert den Muttermundschleim, so dass wenig Samenzellen in die Gebärmutter eindringen können. Zusätzlich beeinflusst die Spirale den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Falls doch einmal eine Eizelle befruchtet wird, kann sie sich nicht einnisten. Die Spirale wird von der Frauenärztin oder dem -arzt während der Menstruation in die Gebärmutter eingesetzt. Da dieses unangenehm, vereinzelt auch schmerzhaft sein kann, wird das Einsetzen mitunter auch in lokaler Betäubung durchgeführt. Von der Spirale selbst spürt die Frau aber in der Regel nichts. Zweimal jährlich sollte kontrolliert werden, ob die Spirale noch richtig liegt. Nach drei bis fünf Jahren (je nach Spiralen-Typ auch 8 Jahre) muss sie entfernt, und falls die Frau weiter auf diese Art verhüten möchte, durch eine neue ersetzt werden. Mögliche Nebenwirkungen der Spirale sind schmerzhafte und stärkere Regelblutungen sowie - in seltenen Fällen - Unterleibsentzündungen, die unter Umständen sogar zur Unfruchtbarkeit führen können. Sehr junge Frauen, die noch keine Kinder haben, sollten die Spirale deshalb nur in begründeten Fällen verwenden.

Eine Sonderform der Kupfer-Anwendung ist das sogenannte "Kupferkettchen" (GyneFix R). Es wird in die Gebärmuskulatur fixiert und beruht auch auf der Kupferwirkung. Ähnlich der Kupferspirale kann auch beim GyneFix Blutungsdauer und Blutungsschmerz erhöht sein. Die sogenannte Hormonspirale (s.u.) enthält ein niedrig dosiertes Gestagen und hat eine gering höhere Sicherheit (vergl.Tabelle: Pearl-Index), ihr Vorteil ist, dass sie Regelschmerzen und Blutungsstärke vermindert. Die sehr geringe Hormonresorption über das Blut kann zu Hautirritationen und Stimmungsbeeinträchtigungen führen.

Die Gold-Kupfer-Spirale (2-3)
Die Gold-Kupfer-Spirale (Goldlily)  ist eine hormonfreie Intrauterin-Spirale mit einer Kupfer-Gold-Legierung, die die kupferbedingte Entzündungsreaktion der Gebärmutterschleimhaut gegenüber der reinen Kupferspirale verringert. Sie besteht aus einem flexiblen Plastikrahmen, um den ein Draht aus einer Gold-Kupfer-Legierung gewickelt ist. Das in der Legierung enthaltene Edelmetall sorgt dabei dafür, dass das Risiko von Entzündungskrankheiten minimiert wird.  Die Blutungsstärke ist gegenüber gegenüber herkömmlichen Kupferspiralen geringer, die Goldkupferspirale ist somit etwas besser verträglich. Es gibt diese Spirale in 3 Grössen, die von Ihrrem Frauenarzt angepasst werden können. (Mini, kurz, Normal). Wie die Kupfer-Spirale wird sie vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingelegt und sollte alle 6-8 Monate per Ultraschall in ihrer Lage kontrolliert werden. Das besondere ist die lange Liegezeit: die Gold-Kupfer-Spirale kann bis zu 10 Jahren liegen bleiben.

Die 3-Monatsspritze (1-3)
Einmal alle 3 Monate eine Spritze unter die Haut. Vorteil: nur alle 3 Monate sich erinnern müssen. Nachteil: relativ hohe Hormondosis und manchmal unregelmässige Blutungen. Nebenwirkungen und Gegenanzeigen wie bei der Pille.

Hormonspirale (Mirena) (ca. 1-2)
Die Hormonspirale ist in der Form, Liegedauer und Einlage vergleichbar der Kupferspirale. Die Liegedauer ist maximal 5 Jahre. Vorteil ist die Abnahme der Blutungsmenge, geringere Blutungsdauer und geringerer Schmerz. Gerade bei Frauen mit Regelblutungsschmerzen ist sie ein echter Vorteil. Die Kosten von ca. 350-400 Euro erwirtschaften sich im Vergleich mit anderen Methoden besonders bei langer Liegedauer. Eine geringe Hormonresorption über die Schleimhaut kann zu Stimmungsbeeinträchtigungen führen.

Die "Pille danach" (Unofem (R):  (ca. 3-6)  EllaOne (R) (1-3)
Frauen, die während ihrer fruchtbaren Tage mit einem Mann geschlafen haben, ohne zu verhüten, können mit der Pille danach eine ungewollte Schwangerschaft noch verhindern. Durch eine kurzzeitige Hormonbehandlung mit einem Gestagen (Levonorgestrel) wird innerhalb 1-3 Wochen eine Blutung ausgelöst. Das Präparat (Unofem) kann aber nur wirken, wenn die Einmalgabe innerhalb von 48 Stunden (maximal 72 Stunden) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Frauen in einer solchen Notsituation können sich an ihre Frauenärztin, die Ambulanz einer Frauenklinik oder eine Pro-Familia-Beratungsstelle wenden (das Präparat ist rezeptpflichtig!). Für die regelmäßige Anwendung ist die Pille danach nicht geeignet, da es zu Blutungsstörungen kommen kann. Innerhalb von fünf Tagen nach ungeschütztem Verkehr kann eine Schwangerschaft auch durch Einlegen einer Spirale verhindert werden.

EllaOne (R) ist eine Neuentwicklung, die im Gegensatz zur hormonhaltigen Unofem einen Gestagen-Rezeptorblocker (Ulipriston 30 mg) enthält. Sie ist anwendbar bis zu 120 h nach dem ungeschützten Verkehr und ist auch zum Ende der Anwendungszulassung immer noch relativ sicher. Der Pearl - Index soll bei unter 2 liegen.

Verhütung in der Haut (Implanon®) (<1)
Ein kleines Stäbchen wird in lokaler Betäubung in die Aussenseite des Oberarms gespritzt und sichert für 3 Jahre die Verhütung. Das enthaltende Gestagen wird gleichförmig abgegeben. Es kommt häufiger zu Blutungsstörungen, ansonsten ist auch diese Methode eine hormonelle Methode mit den hormonbedingten Nebenwirkungen und Gegenanzeigen. Das Einsetzen und Entfernen erfolgt in Lokalbetäubung.

Der Scheidenring (Nuva-Ring)
(<1)
NuvaRing® ist technologisch eine wirkliche Innovation unter den Verhütungsmethoden, der 5,4 cm grosse Kunststoff-Scheidenring ist in der Sicherheit mit der Pille vergleichbar. Der Ring ist seit 2/03 in Deutschland nach ausführlichen Tests als Verhütungsmittel zugelassen. Der Verhütungsring ist im Durchmesser 5,4 cm gross und wird von der Frau selbst in die Scheide eingesetzt und wieder entfernt. NuvaRing® bleibt 3 Wochen in der Scheide. Dann wird er für 1 Woche entfernt, und nach einer ringfreien Woche wird ein neuer Ring eingesetzt. Der Schutz vor einer Schwangerschaft besteht für den gesamten Monat, ähnlich der Pille mit Einnahmepause. Der Ring kann täglich 2 Stunden maximal entfernt und wiedereingesetzt werden.
NuvaRing® ist ein dünner, flexibler, transparenter Scheidenring und gibt rund um die Uhr eine niedrige Dosis von Hormonen zur Empfängnisverhütung (Kombination aus Östrogen und Gestagen) ab. Die Abgabe erfolgt über die Scheide direkt an den Blutkreislauf. Derzeit ist der Ring das niedrigst dosierte kombinierte hormonelle Verhütungsmittel. Ein wichtiger Vorteil im Vergleich zur Pille ist die fehlende Leberbelastung und die weiterbestehende Verhütungsschutz auch bei Durchfall und Erbrechen. Die meisten Frauen kommen mit dem Einsetzen und Entfernen gut zurecht. Anwendungshinweise und Kurzvideos zur Anwendung finden sie hier unter: www.nuva-ring.de.  Der Scheidenring schützt nicht vor ansteckenden Krankheiten, hier ist nach wie vor das Kondom an oberster Stelle zu nennen.

Verhütung durch die Haut - Das Verhütungspflaster (Evra®) (< 1)
Hormonelle Verhütung mit einer der Pille ebenbürtigen Verhütungssicherheit bietet das neue Hautpflaster (Evra®), das am Oberarm geklebt werden kann. Man nennt es transdermales System zur Empfängnisverhütung. Ein Wechsel des Pflasters ist alle 7 Tage erforderlich. Das Pflaster ist hautfreundlich und hat gegenüber der Pille den Vorteil der fehlenden Leber-Belastung durch die Hormone, ausserdem ist die Sicherheit bei Durchfall und Erbrechen immer noch gegeben. Die Gegenanzeigen unterscheiden sich nicht von denen der Pille, da es sich um eine hormonelle Methode handelt. Weitere Informationen finden Sie im Internet (s.u.)

Die Sterilisation (< 0,5)
Medizinisch gesehen ist die Sterilisation des Mannes einfacher als die der Frau, in der Regel genügt ein kleiner Eingriff bei örtlicher Betäubung. Die Sterilisation der Frau (Verschließen und/oder Durchtrennen der Eileiter) wird unter Vollnarkose mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt. Die Frau kann normalerweise schon am gleichen Tag wieder nach Hause gehen. Die Kosten für eine Sterilisation werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Paare, die an eine Sterilisation denken, sollten sich die Entscheidung in Ruhe überlegen. Konflikte nach einer Sterilisation gibt es selten, in der Regel nur dann wenn:

  • die Entscheidung aus rein medizinischen Gründen getroffen wird
  • eine Frau sich unmittelbar nach einer Entbindung, Abtreibung oder Fehlgeburt sterilisieren lässt
  • die Sterilisation während einer Krise in der Partnerschaft erfolgt

Eine Sterilisation lässt sich nur selten operativ wieder rückgängig machen. Die Chancen, schwanger zu werden oder ein Kind zu zeugen, sind nach einer Wiedereröffnung der Eileiter gering. Die Rekonstruktion der Samenleiter des Mannes hat etwas grössere Erfolgsquoten.

www.profa.de

www.symptothermal.org

www.goldlily.de

Verhütung beim Berufsverband der Frauenärzte

www.nuva-ring.de

www.evra.de

www.implanon.de

www.medichi.de

www.gynmed.at