Komplementäre Behandlung bei Krebs

Neben etablierten "schulmedizinischen" Therapien gibt es ein weites Spektrum "alternativ", "ganzheitlich" oder "biologisch" genannter Behandlungsformen und Medikamente. Von so genannten Krebsdiäten bis zu einer unüberschaubaren Menge von Medikamenten von Thymus bis Milzextrakten reicht die Palette der so genannten Krebstherapeutika. Bei den Krebsdiagnoseverfahren werden z.B. Bioelektrische Verfahren, wie z.B. DFM, BFD, Elektroakupunktur nach Voll und vieles mehr angeboten.
Zu den Behandlungsverfahren gehören z.B. die Blutwäsche und Blut-Oxigenierung (HOT), hochtechnisierte Verfahren wie Ganzkörperhyperthermie oder Immunologische Verfahren wie die Tumorvaccination aus Tumorgewebe.

Aus Sicht der wissenschaftlich fundierten Onkologie wie auch der wissenschaftlich evaluierten Naturheilkunde und Psychoonkologie handelt es sich bei vielen dieser Angebote um in ihrer Wirksamkeit nicht erprobte oder erforschte Verfahren. Trotzdem empfinden Patienten die Inanspruchnahme unkonventioneller Methoden immer wieder als hilfreich. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Diagnose einer schwerwiegenden, potentiell lebensbedrohlichen Erkrankung nicht nur körperliche Auswirkungen hat, sondern auch seelisch und geistig verarbeitet werden muss und der Erkrankte Zuwendung sucht, die ihm im Kontakt zu seinem Arzt oft fehlt.

Motive für eine zusätzliche Behandlung neben der Schulmedizin können z.B. sein: der Wunsch etwas zusätzlich selbst tun zu können, nichts unversucht zu lassen oder angesichts der schweren Erkrankung alles mögliche ohne Rücksicht auf die Kosten getan zu haben. Gerade von einer Krebserkrankung Betroffene sind häufig einem Wechsel von Gefühlen und Stimmungen ausgesetzt. Da sind Angst, Depression und Verzweiflung, aber auch die Hoffnung auf Heilung oder zumindest auf Besserung sowie der Wunsch, selbst etwas zur Heilung beizutragen. In diesem Umfeld bieten die naturheilkundlichen Methoden ein breites Feld an Anwendungsmöglichkeiten, die sicherlich in den meisten Fällen aus der subjektiven Sicht des Patienten Sinn machen und nicht schaden. Auch wenn bei vielen unkonventionellen Verfahren der Wirkungsnachweis fehlt, können sie dem Patienten über die Veränderung der Haltung zur Erkrankung, über die Erfahrung der Selbsteffizienz und Selbstkompetenz helfen. In diesem Zusammenhang sind z.B. Methoden der traditionell chinesischen Medizin (TCM), des Yoga, der aryurvedischen Ernährungslehre u.v.a. möglich.

Somit steht der Patient oft vor dem Dilemma, dass er die Wirkung, mögliche Nebenwirkungen und die Effizienz eines Verfahrens nur sehr schwer einschätzen kann. Hier soll eine kurze Einordnung dieser Angebote unter dem Gesichtspunkt der wissenschaftlich evaluierten Verfahren der Komplementärmedizin erfolgen.

Komplementärmedizinische Behandlung umfasst die wissenschaftlich in ihrer Wirkung erforschten Diagnose- und Behandlungsverfahren medikamentöser, technischer und psychologischer Art. Sie unterscheidet sich dadurch eindeutig von den vielen unkonventionellen Verfahren, die z.B. als „alternativ", „biologisch" oder „ganzheitlich" bezeichnet werden. Die Komplementärmedizin ist inzwischen aufgrund ihrer Forschungsergebnisse auf dem Weg, wissenschaftliche Anerkennung auch von Seite der sogenannten Schulmedizin zu erhalten. Zu den erforschten und inzwischen für bestimmte Erkrankungsstadien anerkannten medikamentösen Verfahren gehört die Misteltherapie, die Enzymtherapie, die Gabe von Mineralstoffen (z.B. Selen und Zink) und einige weitere immunstimulierende Verfahren, die allerdings von geübten Therapeuten gezielt eingesetzt werden sollten.

Neben den technisch und medikamentös orientierten Verfahren spielt die Psychotherapie und speziell die Psychoonkologie als komplementäre Behandlungsform eine zunehmend anerkannte und wissenschaftlich fundierte Rolle in der Behandlung von krankheitsbedingten seelischen Störungen und in der Verarbeitung des Schocks der Krebsdiagnose. Die Psychoonkologie ist als Spezialdisziplin auf die Behandlung der besonderen Situation einer schweren bösartigen Erkrankung und den individuellen Umgang mit ihr fokussiert. Sie betrachtet den Umgang mit der Erkrankung als ein vor allem subjektives Geschehen, in dem der Schock (Trauma) der Diagnose bearbeitet wird und lösungsorientiert modifiziert wird. Spezielle Methoden sind Visualisierungstechniken (Simonton-Training), EMDR und andere Teile der allgemeinen Traumatherapie, wie sie auch bei posttraumatischen Störungen angewandt werden.

Woran können sich Tumorpatienten orientieren, die sich für alternative, unkonventionelle Behandlungen interessieren? Wie kann der ,,richtige" Weg im Dschungel der Vielzahl der verfügbaren Methoden und der gut gemeinten Ratschläge gefunden werden? Grundsätzlich ist zu sagen, dass es bei der Anwendung unkonventioneller Heilverfahren wie bei jeder anderen medizinischen Maßnahme darauf ankommt, dass der voraussichtliche Nutzen die damit verbundenen Risiken und Belastungen aufwiegt und im Idealfall deutlich überschreitet. Eine solche Aussage mag im Zusammenhang mit alternativen Therapien zunächst überraschen, da diese im Vergleich zu etablierten onkologischen Therapien wie Bestrahlung und Chemotherapie häufig nur geringe oder sogar vernachlässigbare Nebenwirkungen haben. Jedoch sind auch sie nicht völlig ohne Risiken.

Unkonventionelle Medikamente und Methoden sind was die Wirksamkeit anbetrifft, keine realistische Alternative zu etablierten und nachgewiesenermaßen wirksamen Therapieformen. Wenn anderslautende Aussagen und Versprechungen gemacht werden oder wenn gar ein alternatives Verfahren als die aussichtsreichste Behandlung angepriesen wird, ist größte Vorsicht geboten. Gleiches gilt für den Fall, dass alternative Therapien besonders geheimnisvoll oder besonders teuer sind. Die große Gefahr bei Inanspruchnahme unkonventioneller Methoden besteht darin, dass hilfreiche konventionelle Therapien verzögert oder sogar versäumt werden. Somit kann wohl angenommen werden, dass für die Auswahl und Beratung im Umgang mit der individuell sinnvollen Therapie seriöse und kompetente Beratung wichtig ist.

Möchten Betroffene zusätzlich zu ihrer "schulmedizinischen" Behandlung etwas tun und gleichzeitig mögliche Irrwege vermeiden, ist es zunächst hilfreich zu klären, was eigentlich mit der zusätzlichen Maßnahme erreicht werden soll. Ist es die Zielsetzung, mehr allgemeine Gesundheitsvorsorge zu betreiben, die Befindlichkeit zu verbessern oder mit der Angst vor einem Rückfall umgehen zu lernen? Sollen konkrete Beschwerden wie etwa Schmerzen gelindert oder soll gar der weitere Verlauf der Erkrankung günstig beeinflusst werden? Wenn einigermaßen klar ist, worum es geht, kann sicherer entschieden werden, welche Maßnahmen aus dem vielfältigen unkonventionellen Angebot am ehesten geeignet sind, die gesetzten Ziele zu erreichen. Ist es die Einnahme zusätzlicher Medikamente, eine Umstellung der Ernährung, eine Steigerung der Fitness, das Erlernen einer Entspannungstechnik, der Beginn einer Kunsttherapie oder vielleicht auch mehreres davon gleichzeitig?

Als Richtschnur für die konkrete Entscheidung über alternative, unkonventionelle Verfahren kann Betroffenen empfohlen werden, sich an persönlichen Bedürfnissen zu orientieren und gleichzeitig verfügbare verlässliche Informationen über die jeweiligen Verfahren zu suchen. Bei der Auswahl der Berater sollte man z.B. Ärzte aufsuchen, die in ihrem Fachgebiet beide Seiten, also sowohl die Schulmedizin als auch die komplementären und unkonventionellen Verfahren kennen. Hierzu gibt es z.B. Fachgesellschaften der Ärzte, wie z.B. das ZDN (Zentrum für Dokumentation der Naturheilverfahren – www.zdn.de ), der ZÄN (Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren), die NATUM (Verband der naturheilkundlich und umweltmedizinisch orientierten Ärzte – www.natum.de ) neben vielen anderen Fachgesellschaften, die Ihnen Ärzte in Ihrer Nähe nennen können. Eine gute und qualifizierte Informationsquelle ist die Gesellschaft für biologische Krebsabwehr in Heidelberg
( www.biokrebs.de ), wo sie zu sehr vielen auch unkonventionellen Verfahren informiert werden mit einer umfangreichen und informativen Datenbank.

Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen sprechen dafür, dass alleine schon eine offene und selbstbestimmte Auseinandersetzung mit der Erkrankung und ihren verschiedenen Therapiemöglichkeiten zu einer günstigeren Form der Krankheitsverarbeitung, zu einer Besserung der Lebensqualität und möglicherweise auch zu besseren Heilungsaussichten führen kann. Manchmal kommt es dabei sogar zu einer Neuordnung bisheriger Wertvorstellungen, wie dies auch eine Wirkung der psychoonkologischen Behandlung ist. Wenn es Betroffenen auf diese Weise gelingt, ihren ureigensten Weg zu finden und mit sich selbst ins Reine zu kommen, haben sie in der Tat einen wichtigen Schritt für sich und einen "ganzheitlichen" Umgang mit der Erkrankung getan.

Autor: Dr. C. Windelen

www.biokrebs.de
Informationsseite der deutschen Gesellschaft für biologische Krebsabwehr mit umfangreicher Datenbank zu Diagnose - und Behandlungsmöglichkeiten. Leitung Dr. G. Irmey

www.naturheilverfahren-koeln.org
Homepage des Lehrstuhls zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren der Universität Köln, spezialisiert auf die Erforschung und Bewertung von naturheilkundlich- komplementärmedizinischen Verfahren (z.B. Misteltherapie). Leitung Prof. Dr. J. Beuth

www.senocologne.de
Homepage der Abteilung für Psychoonkologie der Krankenhauses der Augustinerinnen in Köln,
Leitung Fr. Dr. U. Schütze-Kreilkamp

www.psychotraumatologie.de
Ausbildungs-Institut und Literaturdatenbank zur Psychotraumatologie. Leitung Prof. Dr. O. Fischer

www.emdr-institut.de
Ausbildungsinstitut in spezielle Psychologischer Traumabearbeitung mittels EMDR.
Leiter: Dr. A. Hoffmann

www.tcm-germany.de
TCM-Ausbildungsinstitut Mercurius in TCM-Praxis in Köln, Leitung G. Wiesemann

www.tcm-koeln.de
Naturheilkundlich orientierte Gynäkologie- und Psychotherapie-Praxis in Köln. Leitung Dr. C. Windelen